CAFE K in Berlin Charlottenburg

Donnerstag, 28. September

ab 18.30 Uhr, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: Wie es Ihnen gefällt!

MIT 50 IST NICHT ALLES VORBEI
Manfred Erdmann liest Otto Reutter & Kurt Tucholsky

Mit diesem Programm macht Manfred Erdmann einen literarisch-kabarettistischen Ausflug an den Beginn des vorigen Jahrhunderts. Viele der damals umjubelten und bewunderten Vortragskünstler und Autoren sind schon vergessen. Bei einigen erinnert man sich noch an den Namen, hat aber ihre Texte nicht mehr im Kopf; bei anderen fällt einem hin und wieder eine Textzeile ein, aber man weiß nicht mehr, von wem sie stammt.
Zu den Letzteren gehört vermutlich Otto Reutter. „In 50 Jahren ist alles vorbei“, „Der Überzieher“ oder „Der gewissenhafte Maurer“, das sind Titel, von denen so mancher sagt: „Ja, hab’ ich schon mal gehört, aber von wem ist das?“ Aber diese Texte sind erstaunlicherweise zum Teil so aktuell, dass sie heute geschrieben sein könnten.

Darüber schrieb die Kritik: „Manfred Erdmann begeistert; Reutter und Tucholsky schienen an diesem Abend direkt vorne am Lesepult zu sitzen. Mit seiner tiefen Stimme feinste Nuancen treffend, mal nachdenklich, melancholisch, dann wieder fröhlich, heiter oder an manchen Stellen sogar alles zusammen, arbeitete Erdmann exakt den Charakter der feinsinnigen, mal traurigen, dann wieder lustigen, aber immer herzerwärmenden Texte heraus.“(Münchner Merkur)
„Erdmanns Programm aus Couplets, Spottversen und Satiren von Otto Reutter und Kurt Tucholsky bekam dem Publikum ausgezeichnet und stieß auf das Bedürfnis nach Nachschlag. Akzentuiert und temporeich gestaltete der Schauspieler die Verse, ließ sie lebendig werden.“ (Süddeutsche Zeitung)

Kurt Tucholsky schrieb 1921 über Otto Reutter:
„Ein schlecht rasierter Mann mit Stielaugen, der aussieht wie ein Droschkenkutscher, betritt in einem unmöglichen Frack und ausgelatschten Stiefeln das Podium. Er guckt dämlich ins Publikum und hebt ganz leise, so für sich hin, zu singen an.
Diese Leichtigkeit ist unbeschreiblich. Die Pointen fallen ganz leise, wie Schnee bei Windstille an einem stillen Winterabend.
Welch ein Künstler! Ein Refrain ist immer besser als der andere – wie muss dieses merkwürdige Gehirn arbeiten, dass es zu jeder lustigen Endzeile immer noch eine neue Situation erfindet. Und was für Situationen!
Ein Refrain heißt: „In 50 Jahren ist alles vorbei“. Heiliger Fontane, hättest du eine Freude gehabt!
Und dann verbeugt sich da oben ein dicker und bescheidener Mann, der gar nichts von sich her macht, obgleich er ein so großer Künstler ist.“

Ein Rezensent schrieb 1970: „Noch heute erfreuen sich viele Couplets von Otto Reutter großer Beliebtheit, manche sind sogar klassisch geworden. Und trotzdem gibt es noch den anderen Otto Reutter, den Mahner und Spötter von beklemmender Gegenwartsnähe. Man fragt sich, wie es selbst einem solchen Genie möglich sein kann, Entwicklungen und Probleme, Kurioses und Neben-sächliches derart präzise im Voraus zu glossieren…“

Der 2.Teil des Lese-Abends gehört Kurt Tucholsky.

Kurt Tucholsky, der auch unter den Pseudonymen Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser schrieb, war in den legendären Zwanzigern der wohl treffsicherste unter den aufmüpfigen Journalisten und Schriftstellern. Er wurde 1890 in Berlin geboren und starb 1935 durch Selbstmord in Schweden. Seit 1924 lebte Tucholsky in Paris, emigrierte 1929 nach Schweden; 1933 wurde er ausgebürgert, seine Bücher wurden verbrannt. Er gab mit Siegfried Jacobsohn, später mit Carl von Ossietzky die „Schaubühne“ später „Weltbühne“ heraus, war Satiriker und Zeitkritiker und vertrat einen linksgerichteten pazifistischen Humanismus. Tucholsky kämpfte gegen jede Art von Spießertum, Militarismus und gegen den Nationalsozialismus. Neben seiner satirischen Prosa schrieb er kabarettistische Kleinlyrik, Szenen und Chansons, von denen Manfred Erdmann einige für dieses Programm ausgewählt hat.

 

 

RESERVIERUNG ERFORDERLICH!!

Reservierungen bitte per E-Mail an: reservierung@cafe-k.com